Sprossen – Grün und Gesund

Sprossen, kleine Nährstoffwunder

Sprossen sind eine gute Möglichkeit, mit einer kleinen Menge Grünzeug eine große Menge Vitamine und Mineralien aufzunehmen.

Im Keim einer Pflanze steckt deren gesamte Lebensenergie, die nur darauf wartet zu explodieren. Genau so kann man es sich vorstellen. Der Samen einer Pflanze ist über Jahre hinweg überlebensfähig, sonst wäre unsere Menschheit wahrscheinlich schon ausgestorben. Jeder Gärtner kennt das wohl: Irgendwo findet sich plötzlich noch ein uraltes Päckchen Samen und man könnte meinen, dass daraus nichts mehr wächst. Aber einen Versuch ist es doch noch wert, und siehe da, die meisten der Samen gehen mit ein bisschen Pflege auf und es wächst ein kräftiges Pflänzchen heran.

Durch die Einwirkung von Wasser, Licht und Wärme explodiert der Keim förmlich und entfaltet sein großes Nährstoffspektrum. Es werden in kürzester Zeit eine große Menge an Enzymen gebildet, die für die Entstehung der einzelnen Nährstoffe wichtig sind. Sie beschleunigen den Prozess des Wachstums enorm. Ein Keimling enthält eine viel größere Menge an Nährstoffen, als die Pflanze, die daraus einmal entstehen soll. Außerdem sind die Nährstoffe in ihrem natürlichen Verbund enthalten und können dadurch im Körper besser aufgeschlossen werden.
Besonders der Vitamin C – Gehalt in den Sprossen hat eine enorme Zunahme. Zum Beispiel enthält ein Esslöffel Alfalfa- Sprossen 7 Mal so viel Vitamin C wie eine Zitrone.
Außerdem enthalten Sprossen je nach Pflanze, bemerkenswerte Mengen an den Vitaminen A, B1, B2, B6, sogar B12 (wichtige Quelle für Veganer), Niacin, Biotin, Vitamin E und K.
Die wichtigsten Mineralien und Spurenelemente der Sprossen sind Eisen, Kalzium, Magnesium, Fluor, Kalium und Zink (wertvoll für ein starkes Immunsystem).

Aber nicht nur ihr Vitamin- und Mineralstoff-Gehalt macht Sprossen so wertvoll für uns, auch ihr Reichtum an gut verwertbaren Proteinen, Ballaststoffen und ihr Chlorophyll-Gehalt liefert uns eine Fülle an Stoffen, die uns zu Energie und Gesundheit verhelfen.

Sprossen

Der eigene Sprossen-Garten

Um Sprossen selbst zu ziehen, braucht man keinen Garten. Ein kleiner Platz in der Küche reicht.
Geeignete Keimgeräte findet man meistens in Bioläden oder Reformhäusern. Auch Drogeriemärkte führen zeitweise Gläser zum Keimen und Saatgut.
Mehrstöckige Keimgeräte haben den Vorteil, dass sie wenig Platz wegnehmen und außerdem sehen sie hübsch aus in der Küche.

Zum Keimen brauchen die Samen auch nicht unbedingt Licht. Zumindest anfangs nicht. Wenn man einen Samen keimt, der als Grünpflanze gegessen wird, wie das zum Beispiel bei der wohl bekanntesten Keimpflanze ist, nämlich der Kresse, dann benötigt sie ab dem dritten Tag auch Licht.

Wichtig ist, dass ein Bio-Saatgut verwendet wird. Denn nur dieses ist keimfähig. Konventionelle Samen werden chemisch behandelt, um sie vor Fäulnis und dergleichen zu schützen. Dies zerstört allerdings ihre Fähigkeit, Sprossen zu bilden.

Gut geeignete „Anfänger-Sprossen“ sind:

Alfalfa, auch Luzerne genannt
Mungbohnen, das sind übrigens die uns bekannten Sprossen, die es meistens beim    Asiaten gibt
Radieschen
Rote Bete, die leider nur sehr selten erhältlich sind, aber allein ihre Farbe und ihr    Geschmack sind einfach toll
Linsen, Kichererbsen
Kresse, Rucola (beide müssen nicht eingeweicht werden)
Brokkoli, sein Gehalt an Sulforaphan ist fast 50 Mal so hoch, wie in der  ausgewachsenen Pflanze. Sulforaphan soll bei der Bekämpfung und Vorbeugung  von Krebs mitwirken.

Ich verwende Sprossen gerne ab dem Herbst. Zwar gibt es im Herbst ein reichhaltiges Angebot an Obst und Gemüse, aber unser Immunsystem braucht ab dem Herbst auch wieder einiges mehr an Nährstoffen, damit wir gesund durch den Winter kommen. Mit einer kleinen Menge Sprossen täglich nehmen wir ja schon eine große Menge Vitalstoffe zu uns und füllen unsere Speicher.
Wenn das Tageslicht langsam weniger wird, fühlen wir uns auch oft nicht mehr so fit, hierbei verhelfen mir Sprossen auch zu mehr Energie.

Und so geht’s:

Einen guten Erfolg und Ertrag hat man zu Anfang mit Mungbohnen, Alfalfa, Radieschen, Kresse natürlich und Rukola. Auch geschmacklich sind sie hervorragend.

Man sortiert schlechte Samen aus. Sie würden sowieso nicht keimen. Dann weicht man die Samen in Wasser ein. Die genauen Einweichzeiten findet ihr auf der Verpackung des Saatguts. Ich weiche sie meistens über Nacht ein.
Rukola und Kresse gehört zu den schleimbildenden Samen. Diese werden gar nicht eingeweicht. Ich lege sie auf einem feuchten Vlies aus und besprühe sie mehrmals am Tag mit einem Wassersprüher.

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Sprossen gedeihen am besten bei einer Temperatur von 20-25°, was aber auch die Keimbildung für schädliche Keime fördert. Daher ist es wichtig, die Sprossen 2-3 Mal am Tag gründlich zu wässern. Wenn ich zu Hause bin und Zeit habe, dann lasse ich die Sprossen auch gerne einmal am Tag eine halbe Stunde in Wasser stehen und gieße sie erst dann wieder ab.
Das klappt wunderbar. Ansonsten muss man sich auf seinen Geruchssinn verlassen. Wenn Sprossen faul riechen, dann entsorgt man sie besser. Manche Sorten, wie z.B. Brokkoli, entwickeln beim Keimen allerdings einen leicht „fauligen“ Geruch. Dieser vergeht aber meistens am dritten Tag, daher lieber auch mal abwarten.

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Am besten lässt man tagsüber den Deckel des Keimapparates immer mal wieder für eine Stunde offen. Das ist aber nicht sehr wichtig. Den Sprossen reicht ein Platz in der Küche, es muss oder darf sogar kein Fensterplatz sein. Pralle Sonne würde den Keimlingen nämlich nicht gut tun.
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Manche Sprossen bilden kleinste Faserwurzeln, die man leicht mit Schimmel verwechseln kann. Und viele Sprossen sind deshalb schon im Müll gelandet. Also nicht gleich alles entsorgen, was nach Schimmel aussieht, erst einmal genauer hinsehen. Eine schimmelige Saat riecht außerdem auch nicht mehr gut.

Hier kann man sehr gut die weißen, feinen Faserwurzeln erkennen:

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Das sind übrigens Radieschen-Sprossen.

Die Keimdauer ist natürlich auch abhängig vom Klima und der Jahreszeit. Im Frühling gedeihen Sprossen um einiges besser. Das ist der Lauf der Natur. Ich habe auch schon eine gesamte Zucht wegwerfen müssen, weil die Temperaturen plötzlich von 15° auf 29° anstiegen. Im frühen Herbst ist das ja keine Seltenheit. Aber trotz allem lohnt es sich, Sprossen selbst zu ziehen. Es ist ein tolles Gefühl, wenn man nach ein paar Tagen in der eigenen Küche ernten kann. Man kann ja förmlich zu sehen, wie aus dem Samen ein kleiner Keimling wird.

So sieht’s dann nach drei Tagen aus:

Sprossen 8

Und so noch 2 Tage später:

Oben:   Rukola
Mitte:    Kresse
Unten:  Radieschen

Sprossen 13

Die Mungbohnen haben wir am dritten Tag schon gegessen, weil sie sonst zu mehlig werden und nicht mehr so gut schmecken. Alles andere kann ruhig ein paar Tage länger keimen. Alfalfa ist so super ergiebig, man braucht für ein randvolles Glas wirklich nur einen kleinen Esslöffel voll Samen.

Clean eating Sprossen 1

Vorne: Radieschensprossen
Hinten rechts: Kresse
Hinten links: Rukola

Clean eating Sprossen 2

Meine erste Herbsternte ist nun schon gegessen. Ich verwende die Sprossen einfach überall als Topping oder als Füllung.

Man sollte die Sprossen vor dem Verzehr noch einmal gründlich mit Wasser spülen. Ich koche die Sprossen nie mit, sonst würde man ihre Vielfalt an Nährstoffen zerstören. Am besten isst man sie in roher Form.

Und damit ihr einige Anregungen für den Sprossen-Genuss bekommt, werde ich in der kommenden Woche einige Rezepte und Ideen mit Sprossen vorstellen.

Ich hoffe, ich konnte euch inspirieren, die Sprossenzucht einmal selbst auszuprobieren.

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2 Kommentare

  • Reply
    Grünzeug
    16. September 2015 at 7:27

    Ein schöner Bericht über Sprossen, die so einfach zu ziehen sind, dass ich zuerst selbst völlig überrascht davon war. Doch seitdem ich sie für mich entdeckt habe, möchte ich sie nicht mehr missen! 🙂 Ich benutze dieselben Keimgläser wie du und habe auch vor, mir ein mehrstöckiges Gefäß anzuschaffen. Sonst dauert das so lange mit dem Warten… 😉

    Liebe Grüße
    Jenni
    (Grünzeug)

    • Reply
      Silke Heitz
      17. September 2015 at 10:41

      Danke Jenni 🙂 ja, schaff dir unbedingt ein mehrstöckiges Keimgerät an, es lohnt sich auf jeden Fall.
      Lieber Gruß

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